Gedanken




„Ich träumte“ von M. Chabaud

Ich träumte, ich war ein Hase, dessen Herz angstvoll zitterte vor der Bedrohung schießwütiger Eiferer, die sich so mächtig fühlten, Gott gleich, wenn ihr Finger am Abzug ihrer Flinte zuckte.

Ich träumte, ich war ein Löwe, neugierig und getrieben einer Fährte folgend. Doch der Mensch, den ich jagte, streckte mich nieder und wurde Tier, so wie ich Mensch wurde.

Ich träumte von einem Hort des Friedens, wo alle Waffen ruhten, wo kein Gejagter sich zum Jäger wandelte und kein Jäger erfüllt war von blutrünstiger Mordlust.

Ich träumte als Adler hoch in den Lüften zu schweben, den Blick nach Osten gerichtet, Dinge zu sehen, die keinem Menschen je offenbart wurden. Meine Augen schweiften bis zum Bogen des weiten Horizonts und darüber hinaus, so klar war die Luft, so scharf meine Sicht. Der azurblaue Himmel spiegelte sich in tausenden von Seen und Flüssen, die dem Boden ihr reines Nass schenkten und eine üppige Vegetation entstehen ließen.

Ich träumte von wütenden Stürmen, die das unendliche Grün zu verheeren suchten, träumte von sengender Hitze, die Mutter Erde aufbrach und von Wassermassen, die alles Lose und Wankelmütige mit sich rissen. Allein das in sich Gefestigte fand Beständigkeit.

Ich träumte von bitterer Kälte, die alle Herzen gefrieren ließ. Kein Sonnenstrahl kein wärmendes Licht, die den erstarrten Seelen Hoffnung schenkten. Die Welt schien wie eine Eiswüste, kalt und leer.

Ich träumte von einer Nacht, die nicht enden wollte, in der die Dunkelheit das Licht verdrängte, in der die Grundfesten der Erde erschüttet wurden und die Seelen ein verzweifeltes Klagen hören ließen. Einer Nacht, in der es keine Schatten gab und in der tiefschwarze Todesvögel ihr drohendes Gekreische ertönen ließen. Einer Nacht, der dem Untergang Geweihte die Liebe opferten.

Ich träumte von einem Licht, einem schüchternen Licht, geboren aus der Zuversicht, das sich erst zaghaft dann heftig lodernd den erkalteten Herzen näherte, allen Verführungen entsagte und den Verblendungen trotzte. Ein mutig Lichtlein, das offene Herzen entzündete, eine Feuersbrunst entfachte und mit dem flammenden Schwert der bedingungslosen Liebe das Dunkel dieser Welt besiegte.

Ich träumte, der helle Morgen brach die Düsternis und ich fand ein fernes Land, in dem mich die Menschen freundlich grüßten und sich untereinander achteten und respektierten. Kein Falsch, kein Neid, kein Hass, der sie leitete. Keine Geltungssucht, die ihnen Angabe, Rang und Namen diktierte, um sich über ihresgleichen zu erheben. Wo dieses Land der Sehnsucht denn zu finden sei, fragt ein jeder.

Ich erwachte und sah, dieses Land des Lichts lebt in unseren Herzen, in uns selbst, es lebt in Dir und mir.




Auf dem Totenbett

Wenn ich noch mal jung wäre und neu beginnen dürfte, würde ich versuchen, nicht so schrecklich perfekt zu sein, nicht nur an morgen zu denken und alle meine Wünsche aufschieben.
Ich würde mehr Mut aufbringen, mein eigenes Leben zu leben, mehr Gefühle zu zeigen.
Ich würde vieles nicht mehr so ernst nehmen, mir nicht so viel Sorgen machen und mehr lachen.
Ich würde mehr barfuss gehen, an Blumen riechen und mehr Sonnenaufgänge bewundern.
Ich würde mehr Kinder umarmen und mehr Menschen sagen, dass ich sie liebe.