Ein Leben in Würde - dem Humanismus gewidmet


La grande dame


Laß Dich nicht unterkriegen

zeig nur kein trüb Gesicht-

mit Lachen wirst Du siegen,

mit Tränen schaffst Du’s nicht.


Wenn Du den Berg erstiegen,

der Dir die Sicht geraubt,

wird winzig unten liegen

was Du so groß geglaubt


Dieser Spruch zeichnete den Weg der großen Dame aus, die sich stets bemühte, Dame zu sein und Nächstenliebe zu leben. Wenn auch einer einstigen kleinen Landadelsfamilie entstammend wuchs sie in armen Verhältnissen auf, denn sie verlor früh ihren Vater. So war sie gezwungen sich selbst durchzukämpfen in einer Zeit der Inflation und Währungsreform, einer Zeit der Verzweiflung, die ganz Deutschland in Depression zu ersticken drohte. 

Voller Optimismus und Menschenachtung meisterte sie diese schwierigen Jahre. Den ersten Weltkrieg, die Nachkriegszeit, das NS-Regime, den Zweiten Weltkrieg und die darauf folgenden mühseligen Jahre des Wiederaufbaus. 

Wenn sie auch manchmal nicht wußte, was der nächste Tag brachte, so ging es irgendwie immer weiter. Ihr Frohsinn und ihr Glaube an das Gute ließen sie immer wieder hoffen und Täler der Besorgnis wohlbehalten durchschreiten. Wenn das Leben ihr auch so manchen Kummer bereitete, so hielt sie sich an ein Gedicht von Martin Luther, den sie sehr verehrte und nach dessen Regeln sie instinktiv immer gelebt hatte. Es lautet:


Dass die Vögel der Sorge und des Kummers

über dein Haupt fliegen,

das kannst du nicht ändern,

aber dass sie Nester in deinem Haar bauen,

das kannst du verhindern.


Ihr Leben war geprägt von dem Motto „lieber geben, denn nehmen“. In der Schule verschenkte sie ihr Pausenbrot an noch ärmere und gab ihren letzten Pfennig für Bettler her. In ihrer Autobiographie schreibt sie: „Ich nehme ungern, möchte aber mit vollen Händen schenken. Nicht etwa um Dank zu bekommen, aber um die Freude zu sehen, die ich mit Schenken machen kann.“ 

Sie verurteilte falsche Freunde und üble Nachrede, verabscheute Neid, Haß und Ungerechtigkeit. Der Familie machte sie in schweren Stunden immer Hoffnung und Mut. 

Ihr reger Geist ließ ihr keine Ruhe und veranlaßte sie immer wieder, heftige Kritik an unserer Gesellschaft zu üben, an deren mangelndem Wertesystem und der ständig sinkenden Moral. Ihr Leben war geprägt von Optimismus und Menschenliebe und einer großen Dankbarkeit zu einem liebenden Gott. 

Stets trat sie gepflegt auf und sorgte selbst für die Reinlichkeit ihrer Wohnung bis ins hohe Alter. Durch diese Lebenshaltung und durch unermüdlichen Fleiß sowie Können erarbeitete sie sich im Privat- wie im Berufsleben große Anerkennung. Sie folgte einer inneren Verpflichtung, der sie bis zum letzten Atemzug treu blieb.

Das Schlimmste, was ihr widerfahren könnte, wäre pflegebedürftig zu werden. Trotz der Gewißheit, nie der Trostlosigkeit eines Altersheimes überlassen zu sein, oder gerade deswegen wollte sie niemandem zur Last fallen. 

Und wenn sie einmal gehen müsse, meinte sie, hätte sie keine Angst vor dem Tode. In ihrer Todesstunde entschlief sie noch das Stickzeug in ihren  Händen. Bis zu ihrer letzten Minute hatte sie sich für ihre Familie selbstlos aufgeopfert. Sie durfte gehen ohne den Tod zu spüren, sie entschlief zufrieden im Hause der Familie, wo sie so glücklich war, in ihrem Paradies auf Erden. Dies hatte sie sich zu recht verdient, ein würdevoller Übergang in eine andere Welt, ein stiller Abgang für eine große Dame, meine Mutter. 





Der Einfluss des Humanismus auf unsere Gesellschaft



Eine Verbesserung der Bedingungen auf der Welt ist im wesentlichen nicht von wissenschaftlicher Kenntnis, sondern vielmehr von der Erfüllung humaner Traditionen und Ideale abhängig. (Albert Einstein)

Europa muss, seinem Erbe getreu, einen neuen Humanismus verkörpern, als Hort der Menschenwürde und der sozialen Gerechtigkeit. (Richard von Weizsäcker)

Eine humanistische Gesinnung dient als kausales und wirksames Therapieverfahren gegen Korruption, Abzockerei und wuchernden Egoismus. (Andreas Gruss)



Grundwerte des heutigen Humanismus

-
Die Würde des Menschen ist unantastbar

- Gleichheit alle Menschen
- Gerechtigkeit
- Freiheitsstreben

- Aufrechterhaltung ethischer Werte
- Toleranz, deren Grenzen dort auftreten, wo Intoleranz beginnt und die Menschenrechte
  verletzt werden

- Demokratie
- Solidarität
- Gleichberechtigung der Geschlechter

- Recht und Pflicht der Menschen zur Selbstbestimmung

- Ablehnung von Dogmatismus

- Anerkennung der Begrenztheit unseres Wissens

- Bewahrung natürlicher Lebensgrundlagen
- Minimierung von Leid






Verlust ideeller Werte oder Werte im Wandel?

(von Andreas Manuel Gruss, 01.07.2015)

In einem Interview mit Caroline Jebens im April 2014 für den "The European" konstatierte der Medienwissenschaftler Norbert Bolz: Unsere westliche Kultur hat im Wesentlichen zwei Quellen: die Antike und das Christentum. Die daraus resultierenden Werte sind aber anders als noch in den 70er Jahren, in denen Werte vorrangig in Familie und Schule vermittelt wurden, in denen moralische Instanzen mit Vorbildfunktion diese Werte lebten, heute zu Beginn des 3. Jahrtausends weitgehend von den Medien geprägt.


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